Inspirationsmöglichkeiten für Studenten am Hockenheimring

Inspirationsmöglichkeiten für Studenten am Hockenheimring

Fasziniert schaut Maya den Formel Junior-Boliden der frühen 60er-Jahre vom großen Panoramafenster aus dem vierten Stock des VIP-Bereichs der Südtribüne zu, als sie wie an der Perlenschnur aufgewickelt um die engen Kurven des Motodroms manövriert werden. Immer wieder löst die 22-Jährige wie ihre Kollegen rechts und links von ihr ihren konzentrierten Blick vom Zeichenblock, wo sie gerade am Innenraum eines Autos arbeitet, und schaut auf die historischen Rennwagen, die mit ihrer schlanken, geradlinigen und geradezu einfachen Form die Designstudentin faszinieren. „Solch eine Gelegenheit bekommt man nicht oft. Das ganze Umfeld hier ist sehr inspirierend, die verschiedenen Autos oder die Gespräche mit Fahrern“, schwärmt die junge Frau aus Moskau, die gemeinsam mit Kommilitonen des Master-Kurses „Transportation Design“ der Hochschule Pforzheim sieben Tage lang in den Räumen der Südtribüne arbeitet. Insbesondere das Zusammenspiel von Design und Dynamik der Fahrzeuge in Bewegung sowie die markante Geräuschkulisse der Bosch Hockenheim Historic seien spannend, sodass die Geschehnisse aus der Vogelperspektive sich auch direkt auf das Zeichnen auswirken.

Anlässlich der Rennveranstaltung am vergangenen Wochenende hatte Geschäftsführer Thomas Reister von der „emodrom GmbH“, die verantwortlich für die strategische Weiterentwicklung des Hockenheimrings ist, Professor James Kelly mit seinen Studenten aus dem Master-Studiengang eingeladen, einen Bereich der vierten Etage in ein temporäres Design-Studio umzuwandeln. Der Schotte prämiert mit seinem Bachelor-Kurs bereits seit Jahren die schönsten Fahrzeuge, die beim Jim Clark-Revival an den Start gehen, und schwärmt von der Inspiration, welche die Studenten durch den Besuch der Veranstaltung in den vergangenen Jahren erhielten. Nun wurde die Kooperation mit der Hochschule intensiviert, sodass die Studenten nicht nur in drei Kategorien die schönsten Designs der historischen Rennwagen wählen, sondern sich auch selbst ans Reißbrett setzen um parallel zur Veranstaltung Designstudien für das Auto der Zukunft zu entwerfen, die in einer abschließenden Präsentation Vertretern des Fahrzeugbauers Opel vorgestellt werden.

„Die Historics sind wie ein Schatz“, meint Kelly, „die Vielfalt der Fahrzeuge ist Gold wert. Die meisten Studenten waren noch nie auf einer Rennstrecke und würden am liebsten länger hier zeichnen beim Anblick so vieler schöner Autos.“ Die Begeisterung, die man bei den Studierenden auf diesem Weg wecken möchte, sei schon in der Vergangenheit beim Besuch der Historics entfacht worden. „Vor einigen Jahren war eine Studentin bei den Design-Awards involviert, die anschließend auf einem ganz neuen Niveau gezeichnet hat und sehr viel von der Veranstaltung, durch das Wahrnehmen und Erleben der Autos mitnehmen konnte für ihre anschließende Arbeit“, erzählt er und hofft nun auf ähnliche Effekte durch die neue Kooperation, die von allen Beteiligten als wertvoll gelobt wurde. Als eine der führenden Hochschulen in diesem Bereich sei man immer auf der Suche nach neuen Wegen, um im internationalen Konkurrenzkampf um die besten Studenten aus aller Welt gewappnet zu sein. Daher hofft Kelly nach der gelungenen Premiere auf eine weitere Kollaboration mit Thomas Reister und der emodrom GmbH.

Der Geschäftsführer spricht ebenfalls von einer „tollen Geschichte“. Da sich Automobilindustrie, Mobilitäts- und Technologieangebote genauso verändern wie die klassischen Geschäftsfelder einer Rennstrecke, soll am Hockenheimring ein zukunftsweisendes Kompetenzzentrum, die „emodrom-academy“, entstehen, die sich u. a. mit der Mobilität von morgen beschäftigt. Die in dieser Form erstmalige Zusammenarbeit mit Kelly und seinen Design-Studenten war dahingehend ein wichtiger Schritt und für die Nachwuchsdesigner von morgen sicher ein unvergessliches Erlebnis.

 

Von unserem Mitarbeiter
Benedikt Klenk
(Abkürzung: bkl)